Arbeitstagung

1. Arbeitstagung des interdisziplinären Forschungsprojekts Interklinikschule

Tagungsthema

Kranke Kinder im Schulalltag

-übersehen
-unverstanden
-fehl am Platz?
 

Freitag, 12. November 2004
Samstag, 13.November 2004
in Reutlingen und Tübingen

Einführung in die Tagung

Über Jahre hat sich die Schule für Kranke, auch Klinikschule genannt, um Inhalte und Methoden von Unterricht und um ein Profil professionellen Lehrerhandelns bei kranken Schülern erfolgreich gekümmert. Sie konnte dies u.a. im Rahmen des Projekts »Schüler im Klinikum« (1994– 2000) in Fortbildungstagungen voranbringen, dann mit einer größeren Anzahl von Veröffentlichungen, schließlich mit Abschlussbericht, Handreichungen und einer vergleichenden Untersuchung belegen. Etwa zur gleichen Zeit machten einschneidende Veränderungen in der klinischen Versorgung, so u.a. verkürzte Liegezeiten, vor allem das Schicksal der in die Stammschulen zurückkehrenden Schüler und chronisch kranker Schüler neugierig auf Lehrerhandeln. Die Klinikschule nahm die Herausforderung an, konnte in den Stammschulen z.T. Interesse überhaupt erst wecken und berät inzwischen dort auf unterschiedliche Weise: Schüler, Lehrer, Eltern und Selbsthilfegruppen. Denn eben dort, in den allgemeinen Schulen, haben kranke Schüler oft nichts zu lachen.

Das vorzustellende neue Forschungsprojekt, als Glücksfall interdisziplinärer Arbeit von Pädagogik und Pädiatrie ersonnen, geplant und auf den Weg gebracht, möchte den Blick auf diese Situation lenken. Es ist auf Versäumnisse aufmerksam zu machen, doch sind auch zunehmend günstige Veränderungen, z.B. als aufmerksame Begleitung durch die Schulverwaltung vorzustellen. Bei geschätzten 10–15 % chronisch kranker Kinder und Jugendlicher im Schulalter erscheint es notwendig, weiterhin an Brücken zwischen Klinikschulen und der Lehrerschaft in den allgemeinen Schulen zu bauen.

Körperliche Schmerzen und psychische Belastung können in eine Sequenz führen, die Ängste vor der Zukunft und Selbstzweifel nähren, schließlich nachlassende Schulleistungen nach sich ziehen. Vorliegende monographische Berichte und Veröffentlichungen hierzu spiegeln ein schillerndes Bild pädagogischer Kompetenz der Schule wider. Kranke Schüler rufen offenbar häufig diffus erregende bis distanzierend abwehrende Gefühle wach, wobei beides, einengend beschützend als auch auf eine Norm von Schulalltag pochend, traumatische Folgen für ein Schülerleben unter chronischer Krankheit haben kann. Dazu gibt es bisher kaum Forschung, und die Lehrerbildung hat sich der Thematik noch gar nicht angenommen.

Hier setzt das Forschungsprojekt an. Kliniklehrer diskutieren ihre Erfahrungen aus beraterischer Arbeit in den allgemeinen Schulen zusammen mit der Projektleitung. Erste Ergebnisse aus den regelmäßigen Regionaltagungen während der Anfangsphase (seit Juli 2003) und aus der Arbeit der einzelnen Schulen vor Ort sollen zur bevorstehenden 1. Arbeitstagung vorgelegt werden. Die Themen lassen hinreichend erkennen, dass ganz unterschiedliche Schwerpunkte gewählt worden sind. Ergänzend zu praktischen Erfahrungen wird der Umriss einer Theorie von Pädagogik bei Krankheit zu benennen sein.

Zur Diskussion, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus den in das Projekt eingebundenen 7 Schulen aus Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Sachsen, laden wir Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, die Schulverwaltung, die Lehrerbildung, Eltern und Selbsthilfegruppen freundlich nach Reutlingen und Tübingen ein.

Christoph Ertle / Astrid Kimmig


Freitag, 12. November 2004 in Reutlingen und Tübingen

9.00 Uhr Begrüßung und Eröffnung der Tagung, Dekan
Grußworte von HOPE und VdS
Hörsaal Fakultät für Sonderpädagogik
9.15 Uhr Einführung in die Tagung
Prof.Dr.phil. Christoph Ertle, Reutlingen
9.45 Uhr Kaffeepause
Vorstellung der mitarbeitenden Schulen
10.15 Uhr

Dresden, Leipzig:
Der Beratungslehrer als Bindeglied zwischen
Heimatschule und Klinikschule

11.15 Uhr Freital/Sachsen:
Möglichkeiten zur Sensibilisierung von Pädagogen
für die Arbeit mit kranken Schülern in allgemeinen
Schulen
11.45 Uhr Diskussion
12.30 Uhr Mittagessen in der Mensa Reutlingen
13.45 Uhr Gelsenkirchen:
Das Beratungskonzept der Schule für Kranke
Gelsenkirchen
14.15 Uhr Herdecke/Ruhr:
Was müssen Lehrer an allgemeinbildenden
Schulen über psychische Erkrankungen bei Kindern
und Jugendlichen wissen?
14.45 Uhr Freiburg i.B.:
Die Klinikschule Freiburg – eine Agentur für
schulische Kontinuität bei Krankheit
15.15 Uhr Diskussion
15.45 Uhr Abfahrt nach Tübingen, Kinderklinik
16.30 Uhr Grußwort von Prof.Dr. med. Dietrich Niethammer,
Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin,
Universitätsklinikum.
Konzert für Kinder und Kenner,
PEREGRINA-Quintett
18.30 Uhr Gemeinsames Abendessen im
Ratskeller Tübingen, Haaggasse 4

Samstag, 13. November 2004 in Reutlingen

9.00 Uhr Einführung aus medizinischer Sicht,
Dr. med. Astrid Kimmig, Tübingen
Hörsaal Fakultät für Sonderpädagogik
9.30 Uhr Tübingen: Videoproduktion
Schulbesuche – Brücken ins Leben
Ralf Schnabel, Autor
10:30 Uhr Kaffeepause
11.00 Uhr

Forum: Ergebnisse, Kritik, Aufgaben

12.30 Uhr Zusammenfassung der Tagung,
Christoph Ertle / Astrid Kimmig
13.00 Uhr Ende der Tagung


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Download Programmheft der Arbeitstagung (.pdf)

 

Weitere Infos:

Anreise
per Bahn
Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV):
DB:
Stuttgart–Reutlingen 2-3 x stündlich,
Fahrzeit 30–45 Min.
Stadtbus Reutlingen:
Linie 4 ab Hauptbahnhof
bis Haltestelle Pestalozzistraße/Hohbuch,
direkt beim Fakultätsgebäude.
Die Fakultät für Sonderpädagogik befindet
sich im Gebäude 14.
Anreise
per Auto
BAB Ausfahrt Stuttgart-Degerloch,
dann B 27, Abzweigung Reutlingen, B 313,
dann »Hochschulen« folgen.
Parkplätze vor dem Fakultätsgebäude und
an der Gönninger Straße.
Von dort aus 5 Min. Fußweg.

Zimmer-
bestellung

Tourist Information Reutlingen, Listplatz 1,
72764 Reutlingen.
E-Mail: touristinformation@reutlingen.de
Homepage: www.reutlingen.de
Service

Es wird empfehlend auf Büchertische und
Infostände hingewiesen.
Der Tagungsband ist im Teilnehmerbeitrag
eingeschlossen, ebenso Getränke und Gebäck.
Das Mittagessen am 12.November in der
Mensa Reutlingen und das Abendessen im
Ratskeller Tübingen bezahlen die Teilnehmer
selbst.

Die Veranstaltung findet im Gebäude der
Fakultät für Sonderpädagogik Hohbuch,
Reutlingen statt.
Ausnahme: Begrüßung und Konzert in der
Tübinger Kinderklinik.