Grußwort

Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

Fakultät für Sonderpädagogik in Reutlingen

in Verbindung mit der Universität Tübingen

Prof. Dr. Hans Weiß, Dekan

 

 

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Grußwort

für die 1. Arbeitstagung des interdisziplinären Forschungsprojekts

am 12. und 13. November 2004 in Reutlingen und Tübingen

 

 

Sehr geehrte Frau Landtagsabgeordnete Götting,

sehr geehrte Frau Espenhain vom Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg,

sehr geehrte Frau Grüter vom Ministerium für Schule, Jugend und Kultus Nordrhein-West­falen,

sehr geehrte Frau Koss vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus,

sehr geehrte Frau Heidecker von der Robert Bosch Stiftung,

sehr geehrter Herr Leis,

verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die hiesige Fakultät für Sonderpädagogik betrachtet es als eine Ehre, Sie zur 1. Arbeitstagung des interdisziplinären Forschungsprojekts „Chronisch kranke Kinder und Jugendliche in den allgemeinen Schulen“ in ihren Räumen begrüßen zu können. Aber auch aus fachlichen und persönlichen Gründen – nämlich als ein Vertreter der Körperbehindertenpädagogik hier im Hause – habe ich sehr gerne dieses Grußwort übernommen, bestehen doch zwischen der Pädagogik bei Kranken und der Körperbehindertenpädagogik gemeinsame historische Wurzeln, die bis zum sog. „Bettenunterricht“ in den ersten orthopädischen Kliniken im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zurückreichen,  und für beide pädagogischen Fachdisziplinen ist die enge interdisziplinäre Kooperation zwischen Pädagogik und Medizin konstitutiv.

 

Ihr Forschungsprojekt überschreitet die Grenzen der Sonderpädagogik, indem es die Aufmerksamkeit auf eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen richtet, die in den allgemeinen Schulen in der Gefahr sind, übersehen und mit ihren Problemen nicht verstanden zu werden, sich als „fehl am Platz“ zu erleben. Die Thematik Ihrer Tagung liegt damit in einer wichtigen Traditionslinie dieser Fakultät, die nunmehr schon seit Jahrzehnten einen wesentlichen Schwerpunkt ihrer inhaltlichen Arbeit darin sieht, eine Pädagogik für junge Menschen in benachteiligten Lebenslagen zu entwickeln – und zwar weit über die Grenzen z. B. der Förderschulen und der Schulen für Erziehungshilfe hinaus. Diese Pädagogik richtet ihre Aufmerksamkeit auch auf jene Schülerinnen und Schüler, die sich – um einen Buchtitel des ehemaligen Kollegen Gotthilf Hiller zu verwenden – in den allgemeinen Schulen im sog. „Bil­dungs­keller“ befinden und dort ebenfalls oftmals übersehen werden, sich hinsichtlich ihrer Lebenswelt unverstanden und „fehl am Platz“ erleben. So gesehen, knüpfen Sie mit Ihrer Tagung an eine konzeptionelle Entwicklungslinie dieser Fakultät an und können sich in diesem Räumen auch unter diesem inhaltlichen Gesichtspunkt „heimisch“ fühlen, wie auch diese Fakultät ihre Tagung als Bereicherung empfindet.

 

Ich wünsche Ihnen zwei Tage „wacher und präsenter Pädagogik“ (um im Vorgriff aus dem einleitenden Referat von Herrn Ertle zu zitieren), zwei Tage des intensiven, kritischen und fruchtbaren Gedankenaustausches. 

 

Ich danke Ihnen.

 

12.11.2004                                                                                        Hans Weiß